Finanzierung: Immobilienkäufer profitieren von fallenden Zinsen – Konditionen rutschen unter die 4,5-Prozent-Marke

Während Wirtschaftsexperten und Politiker die Turbulenzen an den Kapitalmärkten mit Sorge betrachten, können sich Immobilienkäufer freuen: Die Zinsen für Immobiliendarlehen befinden sich auf Talfahrt. Die Bestkonditionen für zehnjährige Festzinskredite sind nach Angaben des Mannheimer Baugeldvermittlers unter die 4,5-Prozent-Marke gefallen. Die Zeit der Schnäppchenzinsen könnte einige Wochen andauern. Milliardenabschreibungen in den USA, ein extrem stabiler Euro sowie hohe Energiekosten schlagen weiter auf die Konjunktur. Vor diesem Hintergrund ist es in den vergangenen Wochen wieder unwahrscheinlicher geworden, dass die Europäische Zentralbank demnächst die Leitzinsen erhöht.

In seiner Rede am Donnerstag hat US-Notenbankchef Ben Bernanke klar gemacht, dass die Notenbank bereit sei, einer Rezession mit „substanziellen Schritten“ entgegenzuwirken. Er forderte die Politik zudem zu einem Maßnahmenpaket auf. Die klaren Worte werden im Markt als Hinweis auf eine baldige Leitzinssenkung um 0,5 bis 0,75 Prozent interpretiert.

In Europa indes interessiert man sich nicht nur für die amerikanischen und weltweiten Konjunkturaussichten – sondern noch immer für die nachlassende Kaufkraft. Energie und Lebensmittel haben die Inflationsrate 2007 auf 2,2 Prozent getrieben. Das ist der höchste Stand seit 13 Jahren. Und auch in der Eurozone beschleunigten die Preise im Dezember um 3,1 Prozent – und lagen damit 50 Prozent über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent. Wie eine aktuelle Untersuchung ergeben hat, beträgt die gefühlte Inflation sogar mehr als 5 Prozent.

Für Europas Notenbanker ist die Inflation inakzeptabel und hat in der Regel Konsequenzen für die Geldpolitik. Wortgewaltig warnte EZB-Chef Jean-Claude Trichet in der vergangenen Woche vor dem Lostreten einer Lohn-Preis-Spirale in der Eurozone und drohte überraschend aggressiv mit Zinserhöhungen: „Wir sind bereit, vorbeugend zu handeln“, sagte Trichet. Soweit die Theorie. Trotz der Gefahr einer Inflationsverstetigung durch Preisüberwälzungen und hohe Lohnabschlüsse ließ die EZB ihren Leitzins jedoch unverändert bei vier Prozent.

Kreditkunden können die Ruhe bewahren, solange die Folgen der US-Immobilienkrise Europas Währungshütern die Hände binden. Würde die EZB in der zunehmenden Rezessionsangst zusätzlich an der Zinsschraube drehen und damit letztlich Investitionen verteuern, dann würde auch in Euroland ein kräftiger Einbruch beim Wirtschaftswachstum drohen.

Von dieser Phase der Verunsicherung profitieren die Rentenmärkte. Sichere Staatsanleihen notieren auf einem Jahreshoch. Die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen – wichtige Benchmark für Hypothekendarlehen – fiel inzwischen sogar unter die Vier-Prozent-Marke. Wer derzeit eine Erst- oder Anschlussfinanzierung für seine Immobilie sucht, kann durch den Zinsrutsch bis zu 10.000 Euro sparen. Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Konditionsbindung gibt es aktuell ab 4,42 Prozent effektiv. Kaum teurer sind Immobilienkredite mit 15 Jahren Laufzeit: Die höhere Sicherheit kostet derzeit einen Aufschlag von knapp 0,2 Prozentpunkten.

Zinstrend:
kurzfristig: stabil, leicht fallend
langfristig: leicht steigend

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